• Sandra

Ich mag Orte, die mich zum Lächeln bringen

Freitag, 10.06.2022: Dank Scotts Empfehlung wussten wir wo wir zum Mittagessen hinfahren, nach Port Dover (Ontario, Kanada). Dort – so versprach er uns – würden wir den besten yellow Perch bekommen. Aus irgendeinem Grund hatte ich ein gemütliches Restaurant am Strand erwartet… und war etwas irritiert als ich die Strandbude „Knechtel’s on the beach“ sah.

Aber das muss ja nichts heißen… sie war sehr gut besucht und wir waren hungrig. Wir bestellten die Spezialität und setzten uns an einen freien Tisch. Nach kurzer Wartezeit bekamen wir unser Essen im Styropor Kanton. Irgendwie kann ich mich auch nach mehr als 6 Wochen USA/Kanada nicht an die Wegwerfteller und das Plastikbesteck gewöhnen und ich will es auch gar nicht. Nun zum Wesentlichen: als ich die Verpackung öffnete, konnte ich erstmal keinen Fisch sehen, dennoch war mir klar, dass die frittierten Stücke der berühmte „Perch“ sein musste. Ich fand es schade, dass der Fisch frittiert war, denn meiner Meinung nach bleibt da nicht mehr viel vom eigentlichen Geschmack übrig. Doch es war wirklich lecker und auch die dazu gereichte Soße – eine Art Remoulade – passte gut dazu. Der im Plastikschälchen servierte Coleslaw (Krautsalat) war ok, die Pommes dazu hätte ich nicht gebraucht. Nachdem Essen gönnten wir uns ein paar Minuten am See. Dank der Strandmatten konnte ich fast bis ins Wasser rollen.

Anschließend fuhren wir den „Turkey Point“ an. Auch eine Empfehlung unserer Springer-Freunde. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr warum… ich glaub wegen der schönen Strände. Da wir bis dato schon sehr viel schönere Strandabschnitte gesehen hatten und uns sowieso nicht sonnen wollten, hielten wir uns nicht lange auf und fuhren weiter zum „Long Point Provincial Park“ (Port Rowan, Ontaria). Der Park ist Teil einer sandigen Landzunge namens Long Point, die in den Erie See hineinragt.

Die langen dunklen Strände waren bei weitem nicht so schön, wie die endlos weißen Strände in St. George Island (Florida, USA), trotzdem besaßen sie eine eigene Schönheit… auch weil wir sie fast ganz für uns alleine hatten.

Es war später Nachmittag als wir den Park verließen und uns auf die Schlafplatzsuche begaben. Auf Google fand ich ein paar Bilder vom „Port Bruce Pierhead Light“ (Sparta, Ontario); das sah nett aus, also fuhren wir hin.

Als ich den Pier und den darauf stehenden, kleinen und recht unscheinbaren Leuchtturm in Echt sah, hatte ich sofort ein Lächeln im Gesicht! 🥰 Das kein Verbotsschild weit und breit zu sehen war, machte die Sache noch besser… doch das letzte Abendlicht machte diesen Ort für mich, für heute perfekt!

Auch die ersten Sonnenstrahlen am nächsten morgen wollte ich nicht verpassen und hatte mir extra den Wecker gestellt. Der Sonnenaufgang war nicht so spektakulär wie erwartet und sieht auf dem Video ehrlich gesagt besser aus als er tatsächlich war… aber pssst, niemandem verraten! 🤫

Unsere nächste Anlaufstelle war der Point Pelee National Park. Der in der kanadischen Provinz Ontario gelegene Park wurde 1918 gegründet und ist damit einer der 10 ältesten Nationalparks in Kanada. Außerdem ist er der südlichste Punkt des Festlands Kanadas und ragt 15 km in den Lake Erie. Es gab sowohl schöne Strandabschnitte, als auch Pfade durch den Wald (mit dem Segway gut machbar), sowie einen Holzsteg über das Feuchtgebiet (auch mit "normalen Rolli kein Problem). Die Stechmücken waren allerdings nervig und ich war froh, dass mein „Antibrumm“ (Mückenspray) wenigstens halbwegs half. 🦟

Nun hatten wir also innerhalb Kanadas entlang des Lakie Erie „abgegrast“ was uns auf der Landkarte ins Auge gesprungen war. Die Stellplatzsuche war an diesem Tag schwieriger als an den meisten anderen, denn wir kamen der Stadt und damit der Grenze zu USA (Detroit, Michigan) immer näher.

Wir parkten an einer Art Stadtpark; dieser war sehr klein, nicht gut besucht und bestand im Prinzip nur aus einem eingezäunten 500 m Weg, in dem die Leute ihre Runden drehten. Ich fragte mich wozu, denn die meisten Häuser besaßen größere Grundstücke als dieser Park groß war. Aber sei’s drum. Die Nacht war ruhig und niemand störte sich an uns.


Am nächsten morgen (Sonntag, der 12.06.2022) verließen wir Kanada nach nur 3 Tagen wieder - vorerst! Die Grenzkontrolle in die USA (Michigan) war unfreundlicher als die nach Kanada, trotzdem relativ kurz und schmerzlos.

Zurück in den USA war unsere erste Anlaufstelle (nach der Tankstelle, weil Sprit/Diesel ist dort günstiger) das „Guitar Center“ in Detroit. Seit Nashville, USA ließ mich dieses Thema nicht mehr los… (siehe Blogbeitrag „Musik an – Welt aus“). Ich wusste jetzt was ich wollte, egal was der Verkäufer sagen würde. Ich probierte mich abermals durch einige Gitarren durch, bis ich alle Zweifel hinter mir ließ und mich für SIE entschied. Eine innere Ruhe machte sich in mir breit – eeeendlich!

Jetzt konnten wir beruhigt nach Vermilion (Ohio) fahren. Dieser Besuch war schon 2 Jahre überfällig. Dort wohnt die Gastfamilie bei der Sebastian vor über 30 Jahren als Austauschschüler gelebt hat. Vor 2 Jahren ist Jim (Gastvater) 80 geworden und wir wollten ihm damals zu seinem Geburtstag einen Überraschungsbesuch abstatten. Wegen COVID ging unser Plan bekanntlich nicht auf. Dieses mal sollte es klappen. Wir waren vor einigen Tagen schon in der Nähe gewesen, entschieden uns jedoch dafür zuerst zu den Niagara Fällen und durch Kanada zu fahren und somit den Lake Erie zu umrunden. Jim & Dawn wussten zwar, dass wir irgendwann eintrudeln würden, aber an diesem Sonntag rechneten sie noch nicht mit uns.

Wir parkten den Bus in der Sackgasse direkt neben ihrem Haus. Es dauerte ein paar Minuten bis sie aus dem Haus kamen, sie hatten den Bus nicht gehört. Sebastian stieg aus und er und Dawn (Gastmama) fielen sich in die Arme. Ich war noch im Bus, weil ich erst das Bett hochfahren muss um zu meinem Lift zu kommen und auszusteigen. In dem Moment war ich froh, dass es bei mir noch dauerte, so hatte ich Zeit um nochmal durchzuatmen und meine Tränchen zu verdrängen. Die Wiedersehensfreude war groß, denn der letzte Besuch war in 2014 und damit schon ein Weilchen her. Damals hatten wir sie in Pine Island, Florida besucht. Seinerzeit lebten sie dort und ich war noch „Fußgängerin“, Jim hatte noch ein paar Kilos mehr und Seb‘ war noch etwas blonder… sonst hatte sich wenig geändert.

Die nächsten Tage wurden wir sehr von Dawn und ihrer 93-jährigen Mutter (eine ganz liebenswehrte und bescheidene Frau) verwöhnt… unglaublich wie fit sie mit ihrem stolzen Alter ist! So fit werde ich wohl in diesem Leben leider nicht mehr. Jim unterhielt uns mit seinen Geschichten aus seiner Zeit als Soldat bei der Navi auf einem Flugzeugträger und seinen 35 Jahren bei der Polizei.

Sebastian war auch nicht untätig, denn der Eimer, der seit ca. 3 Wochen als Abwassertank beim Duschen und Abspülen fungierte, war keine Dauerlösung. Um das zu erklären muss ich etwas ausholen. Anno dazumal haben wir einen 200 l Frischwassertank auf der Fahrerseite (also links) und einen 200 l Abwassertank auf der Beifahrerseite (rechts) unter dem Bus montiert. Wir dachten es wäre gut wenn der Frischwassertank in der Nähe von der Pumpe sitzt und das Frischwasser den kürzesten Weg zur Dusche (wegen Wasserdruck) hat, denn das Waschbecken in der Küche und die barrierefreie Dusche (ohne Duschwanne) sind im Bus ebenfalls auf der linken Seite verbaut. Was wir nicht bedacht hatten war, dass der Ablauf von der Dusche relativ wenig Gefälle zum Abwassertank auf der rechten Seite hat, wir zum Duschen aber links geneigt stehen müssen, damit das Wasser überhaupt in den Ablauf gelangt. Wenn wir jedoch nach links geneigt stehen, muss das Abwasser quasi bergauf in den Tank rechts laufen. Das hat dazu geführt, dass öfters das Duschwasser sehr schlecht und langsam abgelaufen ist und das Spülwasser aus der Küche aus dem Duschablauf raus kam. Ihr kommt hoffentlich noch mit?

Als das also mit dem Ablauf vor einigen Wochen mal wieder nicht richtig funktioniert hat und Seb‘ gucken wollte, ob vielleicht etwas das Abwasserrohr verstopft, hat er den Winkel zum Abwassertank entfernt. Er hat es jedoch nicht wieder dran gekriegt… daher die Zwischenlösung Eimer! Damit sollte jetzt Schluß sein, denn die Lösung hieß: Frischwasser- und Abwassertank tauschen.

Unterwegs hatten wir schon die für das Unterfangen benötigten Kleinteile besorgt und so konnte Seb‘ innerhalb eines Tages alles umrüsten. Und ich nehm‘ es mal vorweg: es funktioniert nun alles einwandfrei. Guter Seb‘ – fein gemacht! 🤗

Ich hingegen kümmerte mich währenddessen um die Raumpflege: Schränke abwaschen, staubsaugen, putzen etc.

Die Tage vergingen schnell. Donnerstags stand Jims Geburtstag an und gegen Nachmittag kamen Freunde und Familie. Es wurde viel geredet, gegessen und gelacht – alle hatten eine gute Zeit. Lennox freute sich über die vielen Leckerlies und die Klimaanlage, denn es war megaheiß in Ohio – zeitweise 98 Grad Fahrenheit (36,7 Grad Celsius). Draußen suchte er sich ein schattiges Plätzchen und sorgte damit für einige Lacher als 24 hour video security system.

Am Freitag vormittag verabschiedeten wir uns… aber es fühlte sich ok an, denn schon im Oktober (gegen Ende unseres Roadtrips) wollen wir wieder kommen.

P.S. Nein, da war kein Alkohol im Spiel! 🥴

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