• Sandra

Colorful Colorado - Teil 1

Aktualisiert: 7. Nov.

Um 13 Uhr am Montag des 22.08.2022 werden wir von Colorful Colorado willkommen geheißen.

Der Planet brennt und ich schlage vor uns eine kleine Erfrischung in Form eines Shakes zu genehmigen. Das Wort „klein“ interpretiert allerdings jeder anders.

Eisgekühlt und mit einer Kalorienanzahl, die wahrscheinlich den Tagesbedarf deckt, setzten wir unsere Fahrt ins Landesinnere des Bundesstaats fort, der auch als Heimat der Rocky Mountains bekannt ist. Zufälligerweise kommen wir an einem National Park vorbei den ich nicht nur nicht auf dem Schirm hatte, sondern dessen Existenz mir noch nicht einmal bekannt war.

Der Black Canyon ist ein sehr kleiner Park, zumal man zwangsläufig den Grand Canyon als Vergleichsobjekt heranzieht. Bei beiden handelt es sich zweifelsohne um einen Canyon, doch damit hören die Gemeinsamkeiten meiner Meinung nach auch schon auf.

Dieser schwarze Canyon war schön anzusehen, aber einen Fotorausch wie im Grand Canyon, löste er bei mir nicht aus.

Ich hoffte auf einen tollen Sonnenuntergang am Sunset View Overlook wo auch alle restlichen Besucher hin pilgerten, doch die Wolken gaben ihn nicht ganz frei.

Schließlich verließen wir die schwarze Schlucht und suchten im Schutz der Dunkelheit ein nächtliches Quartier. In der Nähe eines ehemaligen Visitorcenters und des dazugehörigen seit 2 Jahren geschlossenen Campingplatzes wurden wir fündig. Schlafenszeit!

Nach einer recht kühlen Nacht waren wir am morgen früh wieder auf der Straße. Ich beschloss am Lake Forke eine Frühstückspause einzulegen.

Diese National Recreation Area war ein echter Blickfang. Ich wollte mich am liebsten in mein Kayak schwingen und eine Runde über diesen riesigen blauen See paddeln, in dem sich die Berge - zwischen denen er eingebettet war - so wunderschön spiegelten.

Leider zog Sebastian nicht mit und ich musste mein Vorhaben wohl oder übel verwerfen.

Im nächsten Ort bestand ich darauf die „mission Haircut“ in Angriff zu nehmen und konnte zumindest diese erfolgreich abhaken.

Dem Friseurbesuch hatte ich nicht nur zu verdanken, dass ich mit der gescheiten Ponylänge wieder was aus den Augen sah, ich konnte auch einen heißen Tipp abgreifen. „Crested Butte“ lautete die Empfehlung. Im Winter ein begehrtes Ski-Gebiet und im Sommer ein toller Ort zum Wandern, Biken oder einfach nur um die Natur zu genießen. Perfekt zum Entschleunigen. Jaaaa, Reisen kann auch stressig sein.

Und das taten wir auch. Gemütlich schlenderten wir mit Lennox durch die malerische Kulisse, schlossen Bekanntschaften mit Ortsansässigen und genossen die Ruhe. Ein pensionierter Arzt bot uns an die Nacht in seiner Einfahrt zu parken, von wo aus man einen freien Blick auf den „Crested Butte“ hat. Gratis dazu gab es noch eine Restaurantempfehlung, der wir ebenfalls gerne folgten. Zu Abend gabs Pizza und Cocktails

und im Anschluss eine gesalzene Rechnung. Wir genossen den Abend (dennoch) in diesem kleinen bunten Ort,

in dem jeder mindestens einen Hund hat und sich im Sommer alles, um die Mountainbiker zu drehen scheint.

Nach einer erholsamen Nacht bummelten wir am Morgen durch die Shopping-Meile mit vielen kleinen Läden für Dinge, die die Welt nicht braucht, bevor wir 320 km bis nach Fountain (in der Nähe von Colorado Springs) zurücklegten. Dazu gleich mehr, aber zuvor noch ein kleines Filmchen zu Lake Forke und Crested Butte:


Am Donnerstag dem 25.08.2022 hieß es dann auf zum Hot Rod Rock & Rumble veranstaltet auf dem Pikes Peak Raceway.

Der Pikes Peak International Raceway ist eine Rennstreckenanlage in Fountain, Colorado die 1997 eröffnet wurde. Neben einem eine Meile langen D-Oval gibt es dort einen 2,09 Kilometer langen permanenten Straßenkurs. An diesem Wochenende drehte es sich jedoch nicht nur um Rennen sondern um brandheiße Hot Rods, echte American Music, Pin-Ups, Car Shows, Flohmarkt... Oval Cruising, Drag Racing und Burnouts standen ebenso auf der Agenda.

Mal abgesehen davon, dass es sich nach einem geilen Event anhört, hieß der Hauptgrund unserer Teilnahme: Sonia. Nun, wer ist Sonia? Der ein oder andere erinnert sich noch an unseren Besuch in Ohio (siehe "Ich mag Orte, die mich zum Lächeln bringen"); da haben wir Dawn & Jim besucht. Sonia ist die Tochter von Dawn und somit Sebastians' (Host Familiy) Schwester. Nach mehreren Jahren in denen die beiden sich nicht gesehen hatten, war klar, die Zeit ist reif. Und da Sonia, ihr Mann Nick und die beiden Kinder Gabrielle und Russell (die keine Kinder mehr sind) mit ihrem Familienunternehmen auf diesem vielversprechenden Event teilnahmen, beschlossen wir sie dort zu besuchen. Wir hatten wenige Tage zuvor das Komplett-Paket 3 Tage Halli-Galli inkl. Camping gebucht. Der junge Parkeinweiser, den wir bei der Einfahrt zum Raceway antrafen war eher als Platzpatrone zu bezeichnen und auch der Rest der Truppe schien heillos überfordert. Von Organisationstalent konnte hier definitiv keine Rede sein. So standen wir erstmal in einer Schlange von Autos und Wohnmobilen, von denen der Fahrer des Wohnmobils vor uns sich entschlossenen hatte seine Zeit nicht in seinem Wohnmobil zu vergeuden... schön für ihn. Doof nur, dass alle anderen hinter ihm nicht vorwärts kamen als es weiterging. Da der Typ nirgends aufzufinden war, stellten wir uns in einer anderen Warteschlange an. Als wir es endlich auf das Festivalgelände geschafft hatten, hieß es plötzlich wir müssten uns noch registrieren. Also hieß es erneut: hinten anstellen bitte! Diesmal zu Fuß. Zwar dauerte es eine ganze Weile bis wir endlich zu unserem Goodie-Bag inkl. Festival-Bändchen gelangten,

doch in der Zwischenzeit hatte Sonia uns gefunden und somit war für genügend Ablenkung und Gesprächsstoff gesorgt. Ich kannte sie bisher nur von Erzählungen und war dennoch ergriffen, sie endlich kennenzulernen, auch wenn ich verständlicherweise nur Nebendarstellerin war.

Nachdem die Formalitäten (Registrierung) erledigt waren, lotste Sonia uns zu ihrem Stellplatz. Obwohl unser gebuchter Platz eigentlich auf der anderen Seite des Festival-Geländes gelegen hätte, setzte Sonia alle Hebel in Bewegung, damit wir direkt neben ihrem Camper parken konnten. Das war perfekt, weil wir so viel mehr Zeit miteinander verbringen und uns lange Wege quer über das Gelände ersparen konnten.

Nach dem Kennenlernen der restlichen Familienbande halfen wir beim Aufbau ihres Standes "Gennie Shifter". Hierbei handelt es sich um Schaltgetriebe (Shifters) und Schalthebel (Shift knobs) für Classic Cars, Hot Rods, Muscle Cars etc.

Die nächsten Tage verflogen förmlich. Während Sebastian fleißig am Stand mit half, war ich nicht wirklich eine Hilfe und flitzte meist mit Lennox und meiner Genny durch die Gegend, die ich bei erster Gelegenheit zum Pimpen in George Weldons begnadete Pinstriper-Hände gab, der normalerweise Hot-Rods mit Bemalungen verschönert. Freihändig und mit einer Ruhe zauberte er gekonnt einige dekorative pink-lila Zierlinien auf die weiße Verkleidung meiner Genny

während ich mit seiner liebenswerten Frau Kim über Gott und die Welt plauderte. Was für tolle Menschen... und das sag ich nicht nur, weil George am Ende noch nicht einmal Geld von mir für seine Arbeit annehmen wollte.

Mit meiner "gepinstripten" Genny kam ich nun noch öfter mit den ohnehin schon sehr aufgeschlossenen Rednecks ins Gespräch, die mir auf dem Weg zu all den bunten und originellen Hot-Rods begegneten.

Außerdem liefen einem ständig Mädels in ihren "hotten" Rockabilly Outfits über den Weg, da bekam man bzw. Frau Lust sich auch mal aufzupimpen.

Obwohl ständig Trubel um einen herum war, war die Atmosphäre entspannt und ich genoss die lockere und leichte Art der Amis. Einmal mehr wünschte ich mir eine große Portion Gelassenheit mitnehmen zu können, wird mir doch in solchen Momenten klar, wie verbissen und unentspannt ich manchmal selber bin. An diesem Wochenende konnte ich jedoch getrost Gott einen guten Mann sein lassen.

Für einen Abend war geplant, dass wir außerhalb essen gehen, doch als die Finnen, die neben uns campten, mit selbstgemachten Deluxe-Burgern lockten, die der Burger-Chef vor laufender Kamera kredenzte, verwarfen wir unseren Plan. Finnen? Burger? Kamera? Jepp, wir waren auch verwirrt. Bei dieser finnischen Truppe handelte es sich um die Hauptakteure Akseli Herlevi (ehem. Top-Chef Gewinner Finnland) und Ossi Lahtinen mit ihrem 2-köpfigen Filmteam. Die 4 reisen durch die Weltgeschichte und produzieren eine Sendung fürs finnische TV (auch bei youtube zu sehen). Während Akseli unter einfachsten Bedingungen die besten Leckereien zaubert, gehen er und Ossi scheinbar beiläufig mit Land und Leuten auf Tuchfühlung. In dem Fall waren wir "Land und Leute" und fanden uns ruckzuck mit vollen Mündern, Burger kauend vor der Kamera wieder. Wer jetzt denkt, da gab es irgendein Skript oder Plan, der irrt. Und ich denke der ist auch nicht nötig, wenn man einen wie Ossi dabei hat, der kontinuierlich für Gelächter sorgt. Ein bisschen erinnerte er mich nicht nur optisch an den leider schon verstorbenen Komiker Dirk Bach... Nachdem wir uns alle mehr als satt gegessen hatten, wollten die Finnen eine Skoolie Besichtigung. Also fand ich mich kurz darauf meinen Skoolie präsentierend vor laufender Kamera wieder.

Aber der Abend erreichte erst seinen Höhepunkt als die Finnen anfingen ihr ganzes Koch-Equipment an den Höchstbietenden zu vesteigern, da sie die erst vor einigen Tagen erworbenen Sachen nicht mit in die Heimat nehmen wollten. Wäre auch schwierig gewesen mit Gasgrill & Co. Nick und Sebastian waren plötzlich in Bieter-Laune und ergatterten die Sachen zu Schnäppchenpreisen. Ehrlich gesagt war ich wenig angetan von der riesigen Kühlbox, die Seb' ein Funkeln in die Augen zauberte.... wo wollte er die bloß die nächsten 2 Monate unterbringen? Zum Glück fand er eine Lösung mit der ich gut Leben konnte, platzsparend schnallte er die Box am Rahmen unter dem Bus fest.

Und wenn sie nicht abgefallen ist, dann hängt sie da noch immer...

Was aber viel spannender ist, ist die Frage was die Finnen aus dem Filmmaterial mit uns machen. Im Frühjahr nächsten Jahres wird die Sendung ausgestrahlt. Ich bin gespannt.


Am Sonntag Morgen, dem 28.08.2022 endete Rock & Rumble mit einem lauten Knall - wortwörtlich! Denn plötzlich stand die Winnebago-Bühne aus dem Video von oben in Flammen. Gott sei Dank wurde niemand verletzt. Der Grund für das Feuer ist wohl bei der Aktion am Vorabend zu vermuten, bei der zu Show-Zwecken Flammen aus dem Auspuff gezündet wurden. Welch ein wirklich trauriges Ende für so ein grandioses Wochenende.


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