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  • AutorenbildSandra

Texas - Lone Star State

Der zweitgrößte Bundesstaat der USA wurde uns von etlichen Amerikanern nicht wirklich angepriesen; im Gegenteil... an den Texanern ließen sie kein gutes Haar und dorthin zu fahren wäre nicht lohnenswert. Dazu kann ich nur sagen: You may all go to hell. I will go to Texas! ... denn der Lone Star State (Staat des einsamen Sterns ) hat einiges zu bieten.

Als wir am Freitag, dem 16.09.2022 am historischen 6th Street Sign in Amarillo vorbei kamen,

klingelten mir plötzlich die Ohren und ich trällerte im Geiste :

"Is this the way to Amarillo?

Every night I′ve been hugging my pillow

Dreaming dreams of Amarillo

And sweet Marie who waits for me

Show me the way to Amarillo

Well I've been weeping like a willow

Crying over Amarillo and sweet Marie who waits for me

Sha la la la la la la la

Sha la la la la la la la

Sha la la la la la la la... "

Von meinem Ohrwurm begleitet, freute mich auf die Cadillac Ranch, die laut Internet seit 1974 eine beliebte Kunstinstallation ist. Wir parkten den Bus am Straßenrand und setzten uns der heißen Texas-Sonne aus, um die 10 auf einem Feld mit der Nase nach unten steckenden Cadillacs, die im gleichen Winkel wie die Pyramiden von Gizeh plaziert sind, aus der Nähe zu betrachten.

Ich war überrascht, dass diese Touri-Attraktion völlig kostenlos zu beäugen war. Lediglich die, die sich auf den Cadillacs verewigen wollten, brauchten etwas Kleingeld um eine Sprühdose zu erwerben.

Doch selbst das war nicht unbedingt erforderlich, denn die wenigen Leute, die sich eine Farbdose gekauft hatten, verschenkten diese nach ein paar Sprüheinheiten weiter. Ich ergatterte ebenfalls eine, doch ehrlich gesagt, hielt sich meine Kreativität in Grenzen, zumal mir bewusst war, dass der nächste Sprayer ohnehin in Kürze alles überdecken würde.

Die bunten Autowracks wirkten völlig fehl am Platz, in diesem sonst so trostlosen, ausgetrockneten, direkt an der Interstate 40 liegenden Acker. Wir liefen einmal um die Szenerie, machten ein paar Fotos und waren froh uns an dem mindestens genauso sehenswerten Oldtimer eine "frozen Lemonade" gönnen zu können.

Nach einem netten Plausch mit dem Verkäufer waren wir wieder auf der Straße und überlegten, wo es als nächstes hingehen sollte. Mittlerweile war es später Nachmittag und google empfahl mir "The Big Texan Steak Ranch". Es kostete mich nicht viel Seb' von der Idee zu überzeugen. Doch bevor wir uns im Restaurant niederließen, zog uns der dazugehörige Gift Shop in seinen Bann. Nippes und Kurioses ist doch immer wieder schön zu durchstöbern. Irgendwann konnten wir uns dennoch aus den Fängen des Schnickschnacks lösen und kehrten in einem der berühmtesten Wahrzeichen der Route 66 ein; nicht zuletzt wegen der legendären 72-ounce Steak Challenge (https://www.bigtexan.com/72-oz-steak/). Während wir uns mit normalen Portionen begnügten, stellte sich ein junger Kerl der Herausforderung das ca. 2 kg Steak innerhalb einer Stunde zu verputzen, während alle Augen der Gäste auf ihn gerichtet waren, obwohl es im ganzen Innenraum der Lokalität schon viel zu bestaunen gab.

Sogar die Livemusik kam zum Tisch.

Gut gestärkt und maximal gesättigt fuhren wir noch knapp 100 km bis zum McClellan Creek National Grassland, wo wir eine chillige und einsame Nacht verbrachten.

Am nächsten Tag folgte ein Abstecher nach Oklahoma, denn kurz hinter der Grenze

lag der Sandhill Curiosity Shop, den google mir als Sehenswürdigkeit vorgeschlagen hatte. Wie Recht google doch hatte. Sebastian war zunächst skeptisch, denn dieser Shop ist eigentlich gar kein Store, in dem man etwas kaufen kann, vielmehr sei der Besitzer dieses Ladens die Attraktion. Das hatte ich zumindest gelesen. Wir parkten den Bus in der leer gefegten Straße. Die an der Fassade angebrachten Schilder knarrten und quietschten im Wind und unterbrachen so die gespenstige Stille.

Umso verwunderter waren wir Leute aus aller Welt in der kleinen - mit Blechschildern, Gitarren, übervollen Aschenbechern und leeren Whiskyflaschen - vollgestopften Stube vorzufinden.

Und mittendrin "Harley" - die Kuriosität des Hauses. Nach dem er uns alle gefragt hatte woher wir kommen, began er mit seiner One-Man-Show. Unglaublich geschmeidig flogen seine vergilbten Finger über die abgeranzte E-Gitarre und ließen mich als Gitarren-newby vor Neid erblassen.

Dann verpasste er jedem von uns ein Tamburin und involvierte uns in seine grandiose Performance. Nach ein paar Anekdoten manövrierte er uns nach draußen, drückte jedem von uns ein Route 66 Schild in die Hand und drapierte uns für eine Fotosession vor seinem Laden.

Der Mann wusste definitiv wie der Hase läuft. Seine "Contribution charge Box" war nach diesem erfrischenden Morgenspektakel reichlich gefüllt. Sogar der sonst so skeptisch drein-blickende Sebastian war völlig angetan von diesem Charakter-Mensch und historischen Überbleibsel der Route 66.

Als Harley den Skoolie erblickte, schlug er vor, ihn ebenfalls in Szene zu setzen.

Und ich bekam auch noch ein phänomenales Foto mit diesem "One of a kind".

Nach diesem kleinen Ausflug nach Oklahoma gings zurück nach Texas,

wo wir am späten Nachmittag bei unseren Harvest Hosts in Burkburnett (zwischen Lawton Oklahoma and Wichita Falls Texas) ankamen. Wir verbrachten einen schönen Abend mit den Gastgebern James and Karri, während Lennox sich in deren Backyard wie zuhause füllte und sich freudig im Gras wälzte.

Am nächsten Tag legten wir 370 km bis nach Waco zurück, wo wir den Nachmittag am gleichnamigen Lake Waco verbrachten. Es war unglaublich heiß und keiner von uns hatte die Energie sich viel zu bewegen, denn schattige Stellen gab es nur wenig.

Für die Nacht galt es ein lauschiges Plätzchen zu finden, doch Waco war - entgegen meines Irrglaubens kein ruhiges Örtchen sondern schon durchaus als Stadt zu bezeichnen. Wir irrten lange umher bis wir den Bus aus lauter Verzweiflung hinter einer Tankstelle parkten und versuchten die schwül-heiße Nacht hinter uns zu bringen.

Am nächsten Morgen freute ich mich darauf den Grund unseres Besuchs in Waco: die Silos Bakery von Chip & Joanna Gaines - bekannt aus der Sendung Fixer Upper. In der kleinen Bäckerei gab es verwunderlicherweise recht wenig Auswahl und noch schlimmer keinen Kaffee. 🙄

Glückerweise umfasst das Magnolia Reich auch ein Café, welches nur wenige Meter von der Bakery entfernt liegt. Dort ließen wir uns nieder um an diesem wunderschönen Morgen unseren ersten Kaffee zu genießen.

Danach erkundeten wir noch einige der zahlreichen Geschäfte rund um die Silos. Ich war erstaunt welches Imperium die Fam. Gaines hier erschaffen hat. Im dazugehörigen Dekoladen stöberte ich durch allerlei Staubfänger als Sebastian mit Lennox an der Leine von einer netten Mitarbeiterin angesprochen wurde. Sie fragte ob sie dem Hund ein Leckerli geben dürfte und wollte wissen, woher wir seien. Als Seb' ihr erzählte, dass wir aus Deutschland sind, schoss aus ihr heraus, dass sie aus dem Saarland stammt. Das Gelächter war groß und die Verblüffung noch größer, als sie erzählte aus welchem Dorf (auf dem Saarlouiser Gau nahe der französischen Grenze) sie ist, zumal auch unser Lebensmittelpunkt nur wenige Kilometer davon entfernt liegt. Die Welt ist ein Dorf. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Freizeit-Nomaden aus dem Saarland ausgerechnet auf die einzige in Texas wohnende Saarländerin, die bei Magnolia arbeitet, stoßen. Das musste bildlich festgehalten werden. 🤗

Auch wenn es uns schwer fiel, mussten wir Tamara wieder ihrer Arbeit überlassen. Wir zogen von dannen, denn ein erneuter Werkstattbesuch stand an. Bereits einige Tage zuvor hatten wir einen Ölfilm an der rechten Hinterradnabe festgestellt, das wollten wir checken und beheben lassen, bevor es brenzlig werden würde.

Ca. anderthalb Stunden und knapp 250 Dollar ärmer, setzten wir unsere Fahrt Richtung Houston fort. 🤑

Ca. 350 km südlich-östlich von Waco endete unser Tag an einer Bootsrampe am Wallisville Lake. Kein Verbotsschild, kein Verkehr, nur herrliche Stille begrüßte uns.

So kam es, dass wir am Morgen bereits um 7.25 Uhr wieder unterwegs waren und gegen 10.30 Uhr den Golf von Mexico erreichten. Ein Strandspaziergang im Sea Rim State Park war obligatorisch.

Es waren nur wenige Besucher unterwegs, was an der durchaus schweißtreibenden Temperatur gelegen haben könnte.

Die, die da waren suchten in den seichten Gewässern nach Krabben. Gut, dass darauf hingewiesen wurde, dass man zur eigenen Sicherheit nicht in der Nähe von Alligatoren nach Krabben suchen sollte.

Seb' nutzte die Gelegenheit nach dem Strandspaziergang eine Outdoor-Dusche zu nehmen, ich beneidete ihn darum. Mal kurz unter die Dusche springen ist als Rollifahrer leider ein größerer Akt.

Aber gut, das nennt man jammern auf Hohem Niveau! Handicap hin oder her, ich bin unendlich dankbar für das, was ich alles sehen und erleben durfte. 🥰

Texas war ein wunderschöner Teil davon! 💫







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