• Sandra

Musik an - Welt aus

Es ist der 02. Juni 2022 und wir sind schon einen Monat „on the road“. Was haben wir nicht schon alles erlebt in diesen 4 Wochen. Müsste ich das alles mit einer Überschrift zusammenfassen, würde ich mich dem Titel einer bekannten RTL-Soap bedienen: „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“. Die Great Smoky Mountains waren bisher buchstäblich der Höhepunkt (siehe "Abenteuer beginnen da wo Pläne enden). Aber neuer Tag, neues Kapitel:

Wir fuhren ca. 120 Meilen (191 km) nach Baxter (Tennessee) - mit kurzem Zwischenstopp bei "Starbucks" und "Hunters Coin Laundry". Bei "Harvesthosts" (https://harvesthosts.com) hatte ich das Weingut "DelMonaco" als potenzieller Gastgeber für die Nacht entdeckt. Da es ohnehin auf unserem Weg nach Nashville lag, beschlossen wir dort zu stoppen - auch ohne das ich die Buchungszusage hatte. Sonst mach ich das prinzipiell nicht - aber in dem Fall war es eine gute Entscheidung. Das Weingut war schön und ruhig gelegen; die neben unserem Stellplatz verlaufenden Schienen ließen mich zuerst anderes befürchten, aber scheinbar wurden diese nicht mehr oder nur ganz selten befahren.

Bei einer kleinen Weinprobe und ein paar Tapas genossen wir die Stille.

Am darauffolgenden Tag stand Nashville auf dem Tagesplan. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hab ich mir das "uriger" vorgestellt. Die Wolkenkratzer, der viele Verkehr und das laute Getöse entsprach überhaupt nicht meinen Erwartungen der Country-Hochburg.

Dennoch parkten wir den Bus an der "Nissan Arena" und gingen zu Fuß bzw. mit Segway nach "Downtown".

Die Country Hall of Fame war unser erster Anlaufpunkt wobei ich zugeben muss, dass wir nicht das Museum als solches besucht haben, sondern nur die Souvenirshops. Der Eintrittspreis (über 30 Dollar) und vor allem die vielen Menschen in der Vorhalle schreckten uns ab.

Also beließen wir es dabei und gingen zum nächsten Programmpunkt über, ein Vintage Gitarrenladen. Aus dem Internet wusste ich schon, dass die dortigen Gitarren zwar keinesfalls meiner Preisklasse entsprachen, aber hin wollte ich trotzdem. Ich ließ es mir nicht nehmen ein paar der alten, überarbeiteten und sau-teuren Sammlerstücke auszuprobieren, kam mir aber doch ziemlich schäbig dabei vor. Schließlich hab ich erst vor einem Jahr angefangen Gitarre zu spielen und hab wenig bis null Plan. Ich stellte schnell fest, dass die meisten sehr schwer zu spielen sind und bestaunte den Rest dann eher visuell.

Als wir zurück zum Bus wollten landeten wir mehr oder weniger freiwillig am "Broadway". Die Hamburger Reeperbahn ist ein Kindergarten dagegen! Das Nashville die Party-Hochstadt ist war mir keineswegs bewusst. Überall feierwütige Leute, ohrenbetäubende Musik, Partybusse ohne Ende, Leuchtreklame noch und nöcher und ein Bootsshop nach dem anderen.

Es war faszinierend aber gleichzeitig setzten meine Fluchtreflexe ein.

Da der Besuch im Vintage Gitarrenladen eher sowas wie ein Museumsbesuch war hatte ich im vorhinein schon einen zweiten Shop ausfindig gemacht. Das "Guitar Center" (weltweit größter Gitarrenhandel) bot gute Voraussetzungen um dort meine zweite Klampfe zu finden.

Eine riesige Auswahl an Gitarren in jeder Preislage ließen mein Herz höher schlagen, wurden mir letztendlich aber zum Verhängnis, da ich mich trotz professioneller Beratung nicht entscheiden konnte.

Vielleicht war die Beratung einfach zu kompetent, denn die Empfehlungen des Verkäufers "matchten" nicht mit dem was mich optisch ansprach und mir auch spielerisch am besten gefiel. Ich war überfordert.

Ich hoffte das zumindest mein Plan für die Abendgestaltung aufgehen würde. Denn ich war nicht bereit Nashville ohne einen Country-Live-Musik-Abend zu verlassen. Ich hatte gelesen, dass das Blue-Bird-Cafe für seine Singer-Songwriter Auftritte bekannt ist und das in einer kleinen intimen Räumlichkeit. Das Cafe existiert schon seit den 80zigern und alles was Rang und Namen im Country-genre hat ist dort schon aufgetreten oder sogar entdeckt worden.

Für diesen Abend um 6 p.m. stand ein Live-Event mit Scott Reeves und den Reeves-Brothern an. Tickets waren bereits vorab (aus)verkauft worden. Ich hatte aber gelesen, dass es immer auch ein paar "Walk-in" seats gibt, für Leute die bereit sind sich in die Schlange zu stellen, zu hoffen reinzukommen, weil Reservierungen gecancelt werden o.ä.. Das war auch unser Plan. Als wir mit dem Bus um kurz nach 17 Uhr vorbeifuhren standen nur 2 Leute vor der Tür. Bis wir allerdings um die Ecke geparkt hatten und dann letztendlich dort waren, war die Schlange merklich gewachsen. Wir stellten uns dennoch an, bei glühender Hitze ohne Schatten. Lennox der Gute hatte Glück und durfte im schattig geparkten, gut durchlüfteten Bus ein Nickerchen machen. Wir hingegen standen 2 Stunden mit wenig verbliebener Hoffnung an Stelle 19 &20. Als die 3er Gruppe vor uns widererwartend rein durfte, hatte ich erwartet das man uns sagt: So, jetzt ist voll, ihr könnt heimgehen. Aber als sie fragten ob ich gerne im Rollstuhl sitzen bleiben würde und ich das bejahte, keimte die Hoffnung wieder. Als die Mädels dann eine 2er Sitzbank raustrugen hatte ich ehrlich gesagt ein bisschen Pippi in den Augen. Wir durften rein! Ich war so happy, auch wenn ich von Scott Reeves in meinem Leben noch nichts gehört hatte. Ich bestellte mir nen "iced Margharita" (auf nüchternen Magen) und genoss die Wohnzimmeratmosphäre mit genialer Livemusic in der Country-Hochburg.

Mittlerweile hatte auch Sebastian Feuer gefangen und machte den Vorschlag sich für das anschließende Event um 9 p.m. wieder in die Schlange zu stellen.

Gesagt getan, dieses mal waren wir die Ersten. Wir kamen mit Jim & Lori ins Gespräch, die in der Nachbarschaft wohnten und ganz spontan beschlossen sich anzustellen. Wir plauderten über dies und jenes, bis die Mädels vom Cafe uns fragten ob wir den Platz mochten an dem wir zuvor gesessen hatten. Wir sagten klar und so wurde das Bänkchen wieder rausgetragen. Ich hab keine Bilder während der Konzerte gemacht, nur ein Video auf dem nichts zu sehen aber viel wichtiger was zu hören ist! Ich fands mega!

Am nächsten Morgen brachte uns Jim, wie am Abend zuvor angekündigt, super leckere, selbstgemachte Bisquits zum Frühstück. Das nenn ich mal Service!

Manchmal ist es schade, dass wir meist nur eine Nacht an einem Ort verbringen, besonders wenn man solche Menschen kennen lernt.


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