• Sandra

Unverhofft kommt oft

Aktualisiert: 27. Juli

Was macht man an einem ungemütlichen und verregneten Tag wenn man keine riesige Couch und auch keinen Fernseher hat? Genau, man geht shoppen. Erst recht wenn einem das Internet verrät, dass es sich bei der West Edmonton Mall um Nordamerikas größte Shopping-Mall mit mehr als 800 Stores handelt. Generell sind Einkaufszentren ja nicht unbedingt eine große Attraktion, in diesem Fall waren wir jedoch schon überrascht als wir plötzlich über ein Eishockey-Feld stolperten, auf dem gerade ein Spiel stattfand.

Wir staunten außerdem nicht schlecht, dass man in der Mall mit dem Tretboot herumschippern konnte und über das Piratenschiff, das gerade so unter das riesige Glaskuppeldach passte.

Das gleich nebenan ein See-Löwe seine Bahnen in einem sehr viel kleineren Becken zog und regelmäßig für Shows herhalten muss, hatte allerdings eher einen faden Beigeschmack.

Zumal wenige hundert Meter weiter Platz für eine riesige Wasserwelt mit Rutschen und allem drum und dran war… und es gab sogar noch eine Zweite auf der anderen Seite der Mall.

Reizüberflutung an jeder Ecke! Die unendlich vielen Shops und Food-Corner waren bei all dem eher ein Nebenschauplatz. Und so blieb der gefürchtete Shopping-Rausch gott sei dank aus.😊


Am nachmittag fuhren wir zur Gull Lake Honey Company (in der Nähe von Red Deer, ALBERTA 🇨🇦), wo ich einen Stellplatz für die Nacht auf dem Hof ergattern konnte.

Die familiengeführte Farm lag abseits von jeglichem Trubel und wie der Name vermuten lässt in der Nähe des Gull Lakes (Alberta). Die Farm produziert hauptsächlich Honig, doch wir entdeckten auch Bisons. Was hatten wir schon für Wege auf uns genommen um Bisons zu sehen und da standen sie plöztlich unverhofft!

Statt einer anständigen Begrüßung unserer Hosts und einer gemütlichen Plauderei, manövrierten wir uns aber erstmal ins Abseits. Eigentlich hatten wir nur versucht hinter dem Gebäude zu parken, so dass wir nicht den Hofbetrieb stören und trotzdem relativ gerade stehen (damit ich im Bus nicht unkontrolliert hin- und her rolle), doch stattdessen bescherten wir unseren Gastgebern erstmal „Action“. Peinlich hoch zehn!!!

Ray „das Familienoberhaupt“ stiefelte herbei. Ich fürchtete, dass wir es jetzt schon „verschissen“ hätten, doch er war ganz gechillt und holte in aller Ruhe einen Traktor zur Rettung. Nach ein paar Handgriffen hing der Bus am Haken und die Mission „Rettet den Skoolie“ konnte starten.

Die ganze Aktion war schneller erledigt als das „Einparken“. Der Regen hatte seine Spuren hinterlassen… und wir jetzt auch!


Nach unserer Entsumpfung war es dann auch an der Zeit sich anständig bekannt zu machen und den Hofladen der Honey Farm zu besuchen. Ein süßes kleines Lädchen in dem es einiges zu entdecken gab. Seb’ entdeckte vor allem die verschiedenen Honigsorten und Marmelade. Und während ich bei den Geislein war,

verspeiste Seb' noch am gleichen Abend einen Teil seiner Einkäufe.

Bei solchen Sachen muss ich mich dranhalten überhaupt noch die Chance zu bekommen was davon zu probieren.


Am nächsten morgen bot Ray uns an einen kleinen Ausflug zu den Bisons zu machen. Das Angebot nahmen wir sehr gerne an, war doch unsere vergangene Jagd die stattlichen Tiere mal aus der Nähe zu sehen eher kläglich verlaufen. Wir fuhren mit Rays’ Geländewagen über viele abgezäunte und mit Gattern getrennte Wiesen, bei denen Seb’ jedes mal mitausstieg und half die Tore zu öffnen und zu schließen. Bis auf eins, das letzte. Da blieb er sitzen… warum bloß? 🤷‍♀️

Obwohl es keine wildlebende Herde war, sollte man dennoch den nötigen Respekt vor ihnen haben. Es war sehr beeindruckend sie so nah sehen und auch riechen zu können.

Wobei das Fell, dass so zottelig an ihnen runterhing und nach und nach von alleine abfällt, garnicht stank wie vermutet; zumindest nicht das Exemplar, weswegen Ray inmitten der Tiere anhielt, die Autotür öffnete, ausstieg und für uns einsammelte.

Es fühlte sich mega weich an, duftete zwar nicht nach Blumenwiese aber roch erstaunlich neutral. Und falls Seb’ sich bis zum Ende dieser Reise alle Haare gerauft hat, hat er auf jeden Fall ein alternatives Haarkleid, wenn es auch nicht ganz seinem Naturton entspricht.

Zurück am Hof gab es lehrreiche Einführung zum Thema Bienenvölker und wie der Honig gewonnen wird... was dazu führte, dass Seb’ noch mehr Honig kaufte.

Ein paar Bisonburger und Würstchen landeten ebenfalls im Einkaufskörbchen.

Unglaublich, dass wir im größten Einkaufszentrum Nordamerikas nur eine Short für 30 kanad. Dollar gekauft haben, aber wir im kleinen Hofladen für 2 T-Shirts und Fressalien insgesamt gut 5 mal soviel Geld gelassen haben.


Gegen mittag kamen wir vom Hof los und fuhren nach Red Deer, mit einem kleinen Zwischenstopp am Sylvan Lake bevor wir uns am Nachmittag mit einer „Internetbekanntschaft“ trafen. June folgt mir schon seit längerem auf Instagram und hatte mal erwähnt, dass sie mich gern treffen würde, wenn ich in Alberta bin. Sie machte auf mich einen sehr warmherzigen Eindruck also dachte ich „warum nicht“. Ich hatte mich nicht getäuscht. Am vereinbarten Treffpunkt - in einem nicht ganz günstigen Restaurant namens Heritage Ranch - warteten June und ihr Mann Ronnie schon auf uns. Es folgte eine sehr herzliche Begrüßung, ein riesen Blumenstrauß und ein große Tüte mit Geschenken - von ihr für mich. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet und begrüßte die beiden mit leeren Händen und einem schlechten Gewissen. Sogar an Lennox hatte sie gedacht und eine tolle bunte Leine für ihn besorgt. Wir verbrachten einen schönen Abend bei gutem Essen und interessanten Gesprächen. Nicht nur, dass wir das Essen nicht selbst zahlen durften, sie boten uns auch an die Nacht auf ihrem Feriengrundstück in 70 km Entfernung zu verbringen. Es lag ohnehin auf unserer Strecke, also fuhren wir hin. So konnten wir uns auch für den nächsten Tag zum Brunch - bei uns im Bus - auf ihrem Grundstück verabreden. Ronnie brachte selbstgemachte Panncakes in verschiedenen Varianten und Würstchen von einem Hof in der Nähe mit, während wir alles was so zum Brunch in unserem Kühlschrank zu finden und geeignet war auftischen. Das hatte zur Folge, dass wir die folgenden 2 Tage noch Reste aßen. Der Abschied am Mittag viel schwer, denn mit June und Ronnie haben wir zwei wirklich tolle Menschen kennen lernen dürfen, die wir im Zweifel leider nie wieder sehen. 🥺





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